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Herzrhythmusstörungen



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern): Zu schneller, zu langsamer oder unregelmäßiger Herzschlag aufgrund einer gestörten Erregungsbildung oder -ausbreitung im Herzen, mit oder ohne Beschwerden für den Betroffenen. 

Herzrhythmusstörungen können jahrelang unbemerkt bleiben (sehr häufig), mit mäßigen oder an bestimmte Situationen gebundenen Beschwerden einhergehen (häufig) oder aber mit schweren Beeinträchtigungen bis hin zum plötzlichen Herztod verbunden sein (sehr selten). Sie treten sowohl bei Herzgesunden als auch bei Herzkranken auf. So kommen Herzrhythmusstörungen häufig in Zusammenhang mit Durchblutungsstörungen der Herzmuskulatur, KHKHerzmuskelentzündung, fortgeschrittener chronischer Herzinsuffizienz oder Kardiomyopathien vor. 

Herzrhythmusstörungen können auch durch Übermüdung, psychische Erregung, Kaffee-, Nikotin- oder Alkoholgenuss, durch Elektrolytstörungen im Blut (z. B. bei chronischer Nierenfunktionsstörung) oder durch Schilddrüsenfunktionsstörungen ausgelöst werden. 

Leitbeschwerden 

  • Herzklopfen, Herzstolpern, Herzrasen 
  • Kurze Ohnmachtsanfälle, Schwindelgefühl, Angstgefühl 
  • Selten: Atemnot, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit 
  • Sehr selten: Herz-Kreislauf-Stillstand. 

Wann zum Arzt 

In den nächsten Tagen, wenn wiederholt Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen auftritt. 

Sofort den Notarzt rufen, wenn

  • Das Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen nicht mehr aufhört oder mit Angstgefühl, Schwindelbeschwerden oder Atemnot verbunden ist
  • Bewusstseinsstörungen auftreten, auch wenn diese nur vorübergehend sein sollten. 

Die Erkrankung 

Herzrhythmusstörungen sind mit die kompliziertesten Krankheiten in der gesamten Medizin. Da die meisten Störungen aber auch ohne Medizinstudium verstehbar sind, und die moderne Schulmedizin differenzierte Therapiemöglichkeiten bietet, werden die wichtigsten im Folgenden besprochen. Die allgemeine Diagnostik folgt im Abschnitt "Das macht der Arzt". 

Elektrische Phänomene in unserem Herzen: Stromstöße, Taktgeber und Verteilerstrecken 

Winzige Stromstöße entlang der Zellmembran einer Herzmuskelzelle ändern die elektrische Spannung zwischen Zellinnerem und -äußerem und geben der Herzmuskelzelle so den Befehl zum Zusammenziehen der Herzmuskelfaser. Ohne diese Stromstöße der Herzmuskelzellen könnte der Herzmuskel sich nicht kontrahieren und damit kein Blut aus dem Herzen pumpen. 

Damit eine geordnete Herzaktion entsteht, werden diese Stromstöße von einem zentralen Taktgeber gesendet: dem Sinusknoten. Der Sinusknoten ist ein etwa Olivenkern großes Areal im rechten Herzvorhof, dessen Zellen regelmäßig elektrische Signale erzeugen, die sie an die anderen Herzmuskelzellen weiterleiten. Der Sinusknoten ist der natürliche Schrittmacher des Herzens. Wenn er die Herzaktion bestimmt, spricht man vom Sinusrhythmus. Der Takt der Sinusknotenaktivität lässt sich stark vom vegetativen Nervensystem beeinflussen, daher führen z. B. psychische Erregungen zu schnellerem Herzschlag. 

Die im Sinusknoten gebildete Erregung wird im Normalfall entlang von Verteilerstrecken, dem Erregungsleitungssystem aus speziellen Herzzellen, auf stets gleiche Weise über das gesamte Herz verteilt. Zunächst werden beide Vorhöfe zur Muskelkontraktion angeregt. Sodann passiert die Erregungswelle den Atrioventrikular-Knoten (AV-Knoten, Aschoff-Tawara-Knoten), der innerhalb der Vorhofscheidewand am Übergang vom Vorhof zur Kammer liegt. Danach teilt sich das Erregungsleitungssystem in zwei als Tawara-Schenkel bezeichnete Faserstränge, deren kleinste Fasern in die Muskulatur der Herzkammern ziehen. 

Sowohl bei der Erregungsbildung als auch bei der Erregungsausbreitung können Störungen auftreten. Die wichtigsten Störungen werden im Folgenden kurz beschrieben. 

Extrasystolen 

Die Erregungsbildung ist nicht auf den Sinusknoten beschränkt, sondern sie kann ebenso in anderen Muskelzellen des Herzens stattfinden und sich von dort über das ganze Herz ausbreiten. Das ist auch gut so, denn diese Ersatz-Taktgeber springen (fast) immer ein, wenn der Sinusknoten ausfällt, was sonst zum sicheren Tod führen würde. Die so außer der Reihe entstehenden Kontraktionen des Herzens werden Extrasystolen (Extraschläge des Herzens) genannt. Dies wird häufig als Herzstolpern empfunden. 

Geht die Erregung von den Herzkammern aus, so spricht man von einer ventrikulären Extrasystole. Geht sie von den oberhalb der Kammern liegenden Herzvorhöfen aus, heißt sie supraventrikuläre Extrasystole. 

Supraventrikuläre Extrasystolen können zwar auf eine Herzkrankheit oder auf eine Medikamentennebenwirkung (z. B. Digitalis-Überdosierung) hinweisen, sind aber meist nicht krankhaft. Sie werden überwiegend gar nicht bemerkt und fallen nur im EKG auf. Bei Herzgesunden sind sie nicht behandlungsbedürftig. Sind sie mit dem Gefühl des Herzstolperns verbunden, kann das Wissen über die Harmlosigkeit bereits beruhigen und helfen. Auch ein Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol, Koffein und Nikotin kann Besserung bringen. Wenn dies alles nicht hilft und eine Behandlung gewünscht wird, verordnet der Arzt Betablocker oder auch Kalziumantagonisten.

Auch ventrikuläre Extrasystolen treten bei Patienten mit und ohne Herzerkrankungen auf. Bei Herzgesunden können sie vernachlässigt werden. Wenn sie bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz oder nach einem Herzinfarkt deutlich zunehmen, besteht jedoch die Gefahr eines plötzlichen Herztods

Ventrikuläre Extrasystolen, die regelmäßig nach jeder normalen Herzaktion auftreten, heißen Bigeminus, zwei zusammenhängende werden als Couplet bezeichnet. In Gruppen auftretende ventrikuläre Extrasystolen nennt man Salven. Bei gehäuft erscheinenden ventrikulären Extrasystolen muss immer nach einer Erkrankung gefahndet werden, die dann zu behandeln ist. 

Paroxysmale Tachykardien 

Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien sind schnelle Herzschläge der Vorhöfe, die auf die Herzkammern weitergeleitet werden. Der Betroffene verspürt meist anfallartiges Herzrasen, das Minuten bis viele Stunden anhält und dann meist abrupt endet. Plötzlicher Beginn und abruptes Ende des Herzrasens unterscheiden diese Form der Herzrhythmusstörungen von anderen Tachykardieformen. 

Der Anfall kommt dadurch zustande, dass sich eine Erregungswelle nicht nur normal über die Kammern ausbreitet, sondern zugleich wieder in die Vorhöfe „zurückschwappt“. Diese zurückkommende Erregungswelle kommt dem neuen Stromstoß des Sinusknotens zuvor und macht ihn unwirksam. Sie breitet sich nach Kontraktion der Vorhöfe sofort wieder zur Herzkammer hin aus und kehrt von dort erneut in die Vorhöfe zurück. Diese kreisende, sich selbst unterhaltende Erregung der Herzmuskelzellen wird AV-Knoten-Reentry-Tachykardie genannt. Auf diese Weise sind Herzfrequenzen von etwa 200 Schlägen pro Minute und selten auch Kammerflimmern möglich. Die häufigste Form ist das WPW-Syndrom (benannt nach den drei Kardiologen Wolff, Parkinson und White). Hierbei erfolgt die rückläufige Vorhoferregung über eine zusätzliche, bei Gesunden nicht vorhandene Kurzschlussstrecke zwischen Vorhof und Kammer. 

Therapie. Supraventrikuläre Tachykardien können mit Medikamenten gestoppt werden, die über eine Vene in den Körper gespritzt werden. Wenn dies nicht gelingt, ist eine Elektrokardioversion notwendig. Treten supraventrikuläre Tachykardien häufiger auf, so gibt es die Möglichkeit, im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung eine Katheterablation (Elektroablation) durchzuführen. Dazu werden Elektrodenkatheter über eine Vene ins rechte Herz vorgeschoben. Wenn die Leitungsbahn, über die die Erregung fälschlicherweise in den Vorhof zurückkehrt, aufgespürt ist, wird sie über den Katheter mit hochfrequenten Kurzwellen zerstört. Dieser Eingriff gelingt in über 95 % der Fälle, ist aber aufwendig und kardiologischen Zentren vorbehalten. 

Selbsthilfe. Bis der Arzt kommt, kann versucht werden, die Herzfrequenz über das unwillkürliche Nervensystem zu beeinflussen: Manchmal beenden tiefes Einatmen und Luft anhalten, Valsalva-Manöver, das Trinken von kaltem Sprudel, das Abkühlen von Hals und Gesicht mit kaltem Wasser oder eine Massage des Karotissinus, die Tachykardie. 

Bei der Massage des Karotissinus (Stelle an der Halsschlagader ) ist Vorsicht angebracht. Bei empfindlichen Menschen kann ein Adams-Stokes-Anfall  ausgelöst werden. In jedem Fall sollte deshalb ein Angehöriger zugegen sein. 

Vorhofflattern und Vorhofflimmern 

Innerhalb der Vorhöfe kann es passieren, dass die vom Sinusknoten ausgehende Erregungswelle nur einen Teil der Vorhofmuskulatur erfasst, während andere Teile noch nicht erregt sind. Dies liegt meist an Gewebeveränderungen im Herzen, z. B. infolge langjährigen Bluthochdrucks, KHK, chronischer Herzinsuffizienz, Herzklappenfehler oder Operationsnarben. Die Erregungswelle wandert dann nicht nur über den AV-Knoten in Richtung Herzkammer, sondern verspätet auch zu den noch nicht erregten Vorhofmuskelzellen. Finden sich stets neue Muskelzellen im Vorhof, die schon wieder für einen Erregungsreiz empfänglich sind, so entsteht eine sich selbst unterhaltende, kreisende Erregungswelle innerhalb der Vorhofmuskulatur. 

Beim Vorhofflattern führt diese kreisende Erregung noch zu Pumpaktionen der Vorhofmuskulatur. Das EKG zeigt typische sägezahnartige Veränderungen der P-Welle. Daraus lassen sich Vorhoffrequenzen von über 250 Schlägen pro Minute errechnen. Der AV-Knoten lässt bei sehr hohen Vorhoffrequenzen nur jede zweite oder dritte Erregungswelle auf die Kammer übergehen und schützt so die Herzkammer vor einer zu hohen Anzahl von Kontraktionen. Daher bleibt der tastbare Puls auf höchstens 150 pro Minute beschränkt. Damit kann der Betroffene leben, aber länger bestehendes Vorhofflattern ist meist nur der Übergang zum Vorhofflimmern. 

Beim Vorhofflimmern kreisen verschiedene Erregungswellen chaotisch innerhalb des Vorhofs. Folge ist, dass keine verwertbare Vorhofkontraktion mehr stattfindet und die Vorhofmuskulatur daher (wie bei einem Vorhofstillstand) kein Blut mehr weitertransportiert. Stattdessen wird das Blut in den Vorhöfen nur noch passiv durch die Herzkammeraktionen angesaugt und weiterbewegt. Die gesamte Herzleistung sinkt dadurch, was bei einem vorgeschädigten Herzen die körperliche Belastbarkeit weiter beeinträchtigt. Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen, vor allem bei älteren Menschen. Etwa 4 % der über 60-Jährigen und 10 % der über 80-Jährigen sind davon betroffen, wobei der Anteil der Männer den der Frauen deutlich übertrifft. Im EKG sind an Stelle der P-Wellen ungeordnete Flimmerwellen zwischen den QRS-Komplexen sowie unregelmäßige R-R-Abstände zu sehen, aus denen sich Vorhoffrequenzen von 350 bis 600 Schlägen pro Minute errechnen lassen. Auch hier schützt der AV-Knoten die Kammer vor zu schnellem Herzschlag, indem er die meisten Erregungswellen blockiert und nur unregelmäßig Erregungen aus dem Vorhof weiterleitet. Der dadurch entstehende unregelmäßige Puls wird als absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern bezeichnet. 

Vorhofflattern und -flimmern treten meist in Zusammenhang mit anderen Herzkrankheiten auf, sind aber auch bei anderen Krankheiten wie Lungenerkrankung, Schilddrüsenüberfunktion oder Alkoholmissbrauch zu finden. Daher ist es wichtig, nach der auslösenden Krankheit zu fahnden und diese zu behandeln. 

Hält das Vorhofflattern oder -flimmern an, versucht der Arzt durch Medikamente oder durch Elektrokardioversion den normalen Sinusrhythmus möglichst rasch wieder herzustellen. Innerhalb der ersten Tage sind die Erfolgsaussichten am größten. 

Um Rückfällen vorzubeugen, werden Medikamente, z. B. Betablocker oder Amiodaron, gegeben. Langfristig gelingt es aber leider trotz aller Bemühungen in einem hohen Prozentsatz (> 50 %) nicht, dauerhaftes oder immer wieder auftretendes Vorhofflimmern (permanentes bzw.  intermittierendes paroxysmales Vorhofflimmern) zu verhindern. 

Da sich das Blut in einem flimmernden Vorhof wenig bewegt, besteht immer die Gefahr, dass in „toten“ Ecken kleinste Blutgerinnsel entstehen. Wenn sie aus dem Herzen ausgeschwemmt werden und in beliebigen Blutgefäßen im Körper hängenbleiben, verstopfen sie diese und lösen so Organschäden, z. B. Schlaganfälle oder Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen oder des Darms aus. So ist das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern etwa vierfach erhöht. Bei verschleppten Blutgerinnseln aus dem rechten Herzen entstehen Lungenembolien. Nur mit einer transösophagealen Echokardiografie, TEE sind diese kleinen Vorhofthromben erkennbar. 

Bei chronischem Vorhofflimmern ist zur Verhinderung dieser lebensgefährlichen Embolien daher eine lebenslange Gerinnungshemmung (Antikoagulation), z. B. mit Marcumar®, notwendig. Ausgenommen hiervon sind unter bestimmten Umständen jüngere Patienten (unter 65 Jahren) ohne Herzkrankheit (= ideopathisches Vorhofflimmern oder "lone atrine fibrillation").

Pharma-Info: Gerinnungshemmende Medikamente

Seit Juli 2011 steht Patienten in Deutschland ein neues Mittel zur Schlaganfall-Prophylaxe zur Verfügung – der Wirkstoff Dabigatran. Dieser schützt nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft besser vor Schlaganfällen als etwa die oft eingesetzten Wirkstoffe Warfarin und Phenprocoumon. 

Weitere vielversprechende Antikoagulanzien für Hochrisikopatienten sind die Wirkstoffe Rivaroxaban (Xarelto®) und Apixaban (Eliquis®). In einer Studie mit 5 600 Patienten mit Vorhofflimmern, die mit Vitamin-K-Antagonisten nicht behandelt werden konnten, wurde die Wirksamkeit von Apixaban und ASS (Acetylsalicylsäure) verglichen. In der Apixaban-Gruppe sank die Rate der Schlaganfälle und systemischen Embolien um 54 Prozent. Zählte man auch Herzinfarkte und gefäßbedingte Todesfälle hinzu, reduzierte sich das Risiko gegenüber ASS immer noch um 34 Prozent. Auch gab es unter Apixaban weniger Therapieabbrüche als unter ASS.

In den neuen Leitlinien zur Behandlung von Vorhofflimmern werden Apixaban, Rivaroxaban und Dabigatran den Cumarinen vorgezogen.

Ventrikuläre Tachykardien, Kammerflattern und Kammerflimmern 

Auch in Herzkammern können kreisende Erregungen auftreten und unabhängig vom Sinusknoten zu sehr hohen Kammerfrequenzen (ventrikuläre Tachykardien) führen. Im EKG sieht man typische Veränderungen des QRS-Komplexes. Ursache ist meist eine Herzerkrankung, z. B. eine Durchblutungsstörung des Herzens. Anders als bei Vorhoftachykardien, bei denen der AV-Knoten die Kammer vor zu schneller Herzfrequenz schützt, wirkt sich jede Kammertachykardie negativ auf die Durchblutung der Organe aus. 

Bei Herzfrequenzen bis etwa 200 Schlägen pro Minute verspürt man Herzklopfen, Herzrasen und Unwohlsein. Bei höheren Herzfrequenzen nimmt das gepumpte Blutvolumen ab, weil den Herzkammern keine Zeit mehr zur Blutfüllung bleibt. Folge ist eine zunehmende Kreislaufschwäche bis hin zu Bewusstlosigkeit und plötzlichem Herztod. Lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardien bedürfen einer sofortigen intravenösen Medikamentengabe oder Defibrillation.

Die Übergänge von der Kammertachykardie zum Kammerflattern und -flimmern sind fließend. Ab einer Kammernfrequenz von etwa 250 Schlägen pro Minute spricht man vom Kammerflattern. Beim Kammerflimmern entstehen ähnlich wie beim Vorhofflimmern chaotische, ineffektive Zuckungen der Kammermuskulatur, ohne dass dabei Blut weitertransportiert wird. Für den Körper gleicht dies einem Herzstillstand. Im EKG sind nur noch unregelmäßige Zitterbewegungen mit Kammerfrequenzen von mehr als 350 Schlägen pro Minute zu erkennen. Jetzt helfen nur noch sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen

Kammerflimmern ist die häufigste Ursache des plötzlichen Herztodes. Insbesondere die akute Durchblutungsstörung des Herzens bei Herzinfarkt, die fortgeschrittene chronische Herzinsuffizienz und akute Herzmuskelentzündungen führen nicht selten zum Kammerflimmern. Etwa zwei Drittel der Herzinfarktpatienten, die noch vor Erreichen der Klinik sterben, leiden an plötzlich auftretendem Kammerflimmern. 

Nach überstandenen Kammertachykardien und Kammerflimmern wird immer die auslösende Ursache gesucht. Lässt sich die nicht durch Verbesserung der Herzmuskeldurchblutung oder durch Änderungen der Medikamente beseitigen, kommt die Implantation eines ICD (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator, auch AICD) in Betracht, der die gefährlichen Herzrhythmusstörungen erkennt und automatisch durch Elektroschocks beendet. 

Ein ICD überwacht die Herzschlagabfolge und kann plötzlich auftretende ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern erkennen und beenden (Antitachykardiefunktion), indem er die Herzmuskelerregung über hochfrequente Stromstöße in den normalen (Sinus) Rhythmus zurückzwingt. Damit ist der ICD eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, die einen Herzstillstand wegen Kammerflimmerns überlebt haben oder bei denen trotz medikamentöser Therapie Kammerflimmern droht. 

Ein ICD ist zwar etwas größer als ein Herzschrittmacher, wird aber wie dieser im Bereich der Brustmuskulatur implantiert und über eine Schrittmacherelektrode mit dem rechten Herzen verbunden. Neben seiner lebensrettenden Defibrillator-Funktion kann er auch wie ein einfacher Schrittmacher agieren und das Herz takten. Zudem zeichnet er wie ein EKG-Computer die Herzaktionen auf und speichert sie. Damit prüft der Kardiologe bei jeder Kontrolluntersuchung, ob seit der letzten Kontrolle Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind und ob der ICD richtig reagiert hat. 

Reizleitungsstörungen 

Der normale Erregungsablauf vom Sinusknoten über die Vorhöfe zum AV-Knoten und von dort über die beiden Tawara-Schenkel zur Muskulatur der Herzkammer kann an unterschiedlichen Stellen verzögert (Block I. Grades), zeitweise unterbrochen (Block II. Grades) oder vollständig blockiert sein (Block III. Grades). Im Ruhe-EKG sind die meisten dieser Reizleitungsstörungen erkennbar. 

SA-Block. Bei einem SA-Block (sinuatrialer Block) ist die Reizweiterleitung zwischen Sinusknoten und Vorhof gestört (siehe Abb. oben 2.). Während ein SA-Block I. Grades, also die verlängerte Laufzeit der Erregung zwischen Sinusknoten und Vorhof, im Ruhe-EKG gar nicht auffällt, sind zeitweise Unterbrechungen der Erregungsweiterleitung  (SA-Block II. Grades) an unregelmäßigen Abständen der P-Wellen (der Vorhofwellen im EKG) erkennbar. 

Bei einem  SA-Block III. Grades wird die Reizbildung im Sinusknoten nie zum Vorhof weitergeleitet, d.h. die Vorhoferregung und die nachfolgende Kammererregung fallen aus. Ein dauerhafter SA-Block III. Grades hätte somit einen kompletten Herzstillstand zur Folge, wenn nicht andere Abschnitte des Herzens ersatzweise als Schrittmacher einspringen würden. Diese Ersatzschrittmacher arbeiten jedoch meist nur mit weniger als 40 Schlägen pro Minute und können damit in der Regel keinen leistungsfähigen Blutkreislauf aufrechterhalten. Bei zunehmendem Leistungsmangel oder Schwindelbeschwerden bis hin zur Bewusstlosigkeit wird daher ein Herzschrittmacher notwendig. Diese plötzliche Bewusstlosigkeit wegen solcher Herzrhythmusstörungen nennt man Adams-Stokes-Anfall

AV-Block. Die Laufzeit der Erregungswelle im AV-Knoten (gleichbedeutend mit der PQ-Strecke im EKG) beträgt in der Regel weniger als 0,2 Sekunden. Störungen werden als AV-Block (atrioventikularer Block) bezeichnet. Längere Laufzeiten (erkennbar an der längeren PQ-Strecke) werden als AV-Block I. Grades bezeichnet. Eine solche Verzögerung im AV-Knoten kommt häufiger vor, hat aber keine Beschwerden zur Folge und bedarf keiner Behandlung. 

Beim  AV-Block II. Grades ist die Überleitung der Vorhoferregung auf die Kammer zeitweise unterbrochen, d.h. auf eine P-Welle im EKG folgt nicht immer ein QRS-Komplex. Man unterscheidet zwei verschiedene Typen: 

  • Beim Typ Wenckebach (siehe Abb. links, 3.) wird die PQ-Zeit allmählich länger. Irgendwann folgt auf eine P-Welle kein QRS-Komplex, d.h. die Kammeraktion fällt aus. Aber bereits die darauffolgende Erregungswelle wird wieder vom Vorhof auf die Kammer übergeleitet und verlängert sich im Laufe der nächsten Herzaktionen wiederum schrittweise, bis sie erneut einmalig ganz blockiert ist. Die resultierenden gelegentlichen Aussetzer machen kaum Probleme, eine Behandlung ist nicht erforderlich. 
  • Anders verhält es sich beim Typ Mobitz, (siehe Abb. links, 4.), bei dem die Überleitung der Erregungswelle vom Vorhof auf die Kammer ohne vorherige Verlängerung der PQ-Zeit zeitweise ausfällt. Im EKG sieht man eine isolierte P-Welle, ohne dass sich ein QRS-Komplex anschließt. Diese Blockierungen können in regelmäßigen Abständen auftreten, dann wird also nur jede zweite oder dritte Vorhoferregung auf die Kammer weitergeleitet. Man spricht dann von einem 2:1- oder 3:1-Block. 

Dieser AV-Blocks II. Grades vom Typ Mobitz ist gefährlich, da er jederzeit in einen AV-Block III. Grades übergehen kann, bei dem keine Vorhoferregungen mehr zur Kammer gelangen. In diesem Fall regen nur noch die Ersatzschrittmacher-Zentren von AV-Knoten oder Kammermuskulatur die Herzkammern zur Tätigkeit an. Es kann aber einige Zeit vergehen, bis das Ersatzschrittmacher-Zentrum „merkt“, dass vom Sinusknoten keine Erregungswellen mehr ankommen. Und zwischenzeitlich kann der Betroffene aufgrund der Mangeldurchblutung des Gehirns schon bewusstlos sein. 

Daher wird bei einem AV-Block II. Grades Typ Mobitz und bei einem AV-Block 3. Grades ein Herzschrittmacher implantiert, der die Reizbildung und die zeitgerechte Überleitung der Erregung von den Vorhöfen auf die Kammern übernimmt. 

Schenkelblock. Auch jenseits des AV-Knotens, in den Tawara-Schenkeln, kann die Erregungsleitung blockiert sein (Schenkelblock). Ist sie verlangsamt, handelt es sich um einen inkompletten Schenkelblock, ist sie komplett unterbrochen, um einen kompletten Schenkelblock (bifaszikulärer Block). Je nachdem, ob der rechte oder linke Tawara-Schenkel betroffen ist, spricht man von einem  Rechtsschenkelblock oder einem Linksschenkelblock.

Erst wenn beide Schenkel blockiert sind, gleichen die Folgen einem AV-Block III. Grades und der Betroffene bemerkt langsame Herzrhythmusstörungen bis hin zu einem Adams-Stokes-Anfall und benötigt ebenfalls einen Herzschrittmacher. 

Schenkelblöcke kommen mit zunehmendem Alter häufiger vor. Sie sind bei über 10 % der 60- bis 70-Jährigen zu beobachten. Die Diagnose Schenkelblock ist zunächst nur eine Beschreibung des EKGs und nicht zwingend mit einer Erkrankung gleichzusetzen. Insbesondere der Rechtsschenkelblock tritt häufig auch bei Herzgesunden auf. Ein Schenkelblock kann aber auch Folge von Bluthochdruck oder einer anderen Herzerkrankung, z. B. Herzmuskelentzündung, KHK, Herzinfarkt, Kardiomyopathie oder Lungenembolie sein. Ein neu auftretender Schenkelblock ist daher immer auch ein Grund, um nach einer solchen zugrunde liegenden Herzerkrankung zu fahnden. 

Sick-Sinus-Syndrom 

Der Begriff Sick-Sinus-Syndrom (SSS, Syndrom des kranken Sinusknotens, Sinusknotensyndrom) fasst wechselnde Rhythmusstörungen, bestehend aus Reizbildungs- und Reizleitungsstörungen des Sinusknotens, sowie zeitweises Auftreten von VorhofflatternVorhofflimmern und paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien zusammen. 

Die Folgen sind ein Tachykardie-Bradykardie-Syndrom, bei dem zu langsamer, unregelmäßiger oder unter Belastung nicht ansteigender Herzschlag (Bradykardie) sich rasch mit zu hohen Herzfrequenzen (Tachykardie) abwechselt. Die Betroffenen verspüren eine allgemeine Leistungsminderung, Herzklopfen, Angina pectoris, Herzinsuffizienz bis hin zu Atemnot, Schwindel und Bewusstlosigkeit (Adams-Stokes-Anfall). Mögliche Ursachen sind Durchblutungsstörungen, Entzündungen oder degenerative Veränderungen der Sinusknotenregion. 

Diagnosesicherung. Erkennbar sind diese wechselnden Herzrhythmen im Ruhe-EKG und vor allem im Langzeit- und Belastungs-EKG. Manchmal ist zur Diagnosesicherung auch die Beobachtung der Herzschlagfrequenz nach Gabe bestimmter Medikamente oder auf eine Schrittmacherstimulation über einen Rechtsherzkatheter nötig. 

Therapie. Das Sick-Sinus-Syndrom ist behandlungsbedürftig, wenn Beschwerden auftreten. Zu schnelle Herzaktionen werden durch Antiarrhythmika (Medikamente zur Normalisierung der Herzfrequenz) gesenkt, bei zu langsamem Herzschlag wird ein Herzschrittmacher implantiert. Meist ist beides erforderlich, weil alle Medikamente, die den zu schnellen Herzschlag bremsen auf der anderen Seite die langsamen Herzrhythmusstörungen verstärken. 

Karotissinus-Syndrom 

Zur optimalen Durchblutung aller Organe prüfen Sinneszellen an vielen Stellen im Körper den Blutdruck. Sie nehmen die Dehnung der Blutgefäße wahr und melden sie an das vegetative Nervensystem. Dadurch können die Herzfrequenz und der Blutdruck flexibel an die Bedürfnisse angepasst werden. Ein solcher Rezeptor befindet sich auch an den Teilungsstellen der Halsschlagader (Karotissinus) jeweils seitlich am Hals, in Höhe des Kragens. 

Dieser Karotissinus-Rezeptor kann von Geburt an besonders empfindlich sein (selten) oder im Alter empfindlich werden (häufig). Ein Druck von außen auf diese Region wird dann als zu hoher Blutdruck gedeutet und führt zum Abfall der Herzfrequenz bis hin zum vorübergehenden Herzstillstand oder zum plötzlichen Blutdruckabfall. Daraus folgen Schwindel oder plötzliche Bewusstlosigkeit. Meist werden diese Beschwerden durch bestimmte Tätigkeiten wie Rasieren, extreme Drehbewegungen des Halses oder durch das Tragen eines besonders engen Kragens ausgelöst. Eine Überempfindlichkeit des Karotissinus (Karotissinus-Syndrom) tritt bevorzugt bei Männern jenseits des 50. Lebensjahres auf. 

Diagnosesicherung. Die Diagnose wird neben der charakteristischen Beschwerdeschilderung durch einen Karotisdruckversuch gestellt. Dabei massiert der Arzt den Karotissinus unter gleichzeitiger EKG-Ableitung und Blutdruckmessung und löst einen deutlichen Blutdruckabfall oder gar einen vorübergehenden Herzstillstand aus. Ist der Test positiv, wird ein Herzschrittmacher eingesetzt. 

Sondertext: Herzschrittmachertherapie

Das macht der Arzt

Neben der genauen Befragung, wann und wie sich die Beschwerden bemerkbar machen, werden die verschiedenen Herzrhythmusstörungen durch Tasten des Pulses, Abhören des Herzens, Bestimmung eines Pulsdefizits und durch das EKG erkannt. Neben dem Ruhe-EKG sind Langzeit-EKGs und Ereignisrekorder möglich. Manchmal treten Herzrhythmusstörungen vor allem bei körperlicher Anstrengung auf, diese können mit dem Belastungs-EKG aufgedeckt werden.

In seltenen Ausnahmefällen wird die Diagnose durch eine EKG-Ableitung über spezielle Elektrodenkatheter, EPU gesichert, teilweise ist damit auch zugleich eine Behandlung, Katheterablation, möglich. Eine solche Untersuchung kann nur in einem kardiologischen Zentrum erfolgen. 

Sondertext: Lebensrettende Elektroschocks

Selbsthilfe

Falls Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, prüfen Sie, ob Herzrhythmusstörungen als mögliche Nebenwirkung genannt sind. Ansonsten ist eine wirksame Selbsthilfe nur bei zeitweise auftretendem Herzrasen (paroxysmale Tachykardien) möglich

Bewegungstherapie. Leichte sportliche Betätigung ist in den meisten Fällen hilfreich. Vermeiden Sie jedoch Sportarten, die Ihnen körperliche Höchstleistungen abverlangen. Gegebenenfalls bietet sich auch regelmäßiges Training in einer Herzsportgruppe an. 

Ernährung. Hinweisen zufolge beeinflusst eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren wie Eicospentaensäure ist, den weiteren Krankheitsverlauf günstig. Da Blähungen Herzrhythmusstörungen begünstigen können, sollten Sie auf stark blähende Lebensmittel verzichten, wenn Sie zu Blähungen neigen. 

Selbsthilfe für Schrittmacher-Träger 

Der Herzschrittmacher soll zu einem normalen, lebenswerten Leben verhelfen; er ist nicht Ausdruck einer Behinderung. Nicht der Herzschrittmacher schränkt die Belastbarkeit ein, sondern vielmehr die körperliche Verfassung, die zugrunde liegende Herzkrankheit oder andere Begleiterkrankungen. 

Sie können weiterhin schwimmen, duschen und baden oder ins Solarium gehen, Auto fahren, mit dem Schiff, der Bahn oder dem Flugzeug verreisen. Am Flughafen weisen Sie vor dem Passieren der Kontrollschleuse wegen der Metalldetektoren auf Ihren Schrittmacher hin und zeigen Ihren Schrittmacherausweis. Sie werden dann gesondert abgetastet, weil der Metalldetektor Alarm geben würde. 

Auch Sport ist möglich – ungeeignet sind lediglich Kampfsportarten, bei denen der Schrittmacher durch Schläge beschädigt werden könnte, und Tauchen, weil der erhöhte Wasserdruck die Schrittmacherfunktion stören kann. Bei Sportarten mit weit ausholenden Armbewegungen sollte vorher mit dem Arzt besprochen werden, ob bei der individuellen Lage der Schrittmacherelektroden Probleme zu befürchten sind. 

Gefahren drohen aber am Arbeitsplatz und beim Heimwerken: 

  • Elektrische Ströme von Elektrozäunen oder Steckdosen stören die Herzschrittmachertätigkeit. Auch von (elektro-)magnetischen Feldern größerer Maschinen gehen störende Einflüsse aus. Meiden Sie Umspannungsanlagen und elektrisches Schweißen, Gasschweißen ist unbedenklich. Bohrmaschinen sollten etwa eine Armlänge vom Schrittmacher entfernt gehalten werden. Bei laufendem Motor dürfen sie sich nicht mit dem Oberkörper über die Zündanlage Ihres Autos beugen. 
  • Korrekt funktionierende Haushaltsgeräte des täglichen Lebens stören die Schrittmacherfunktion dagegen nicht (z. B. Mikrowelle, Herd, Toaster, Rasierapparat, Föhn, Radio, Fernseher, Fernbedienung und schnurloses Telefon). Allerdings sollten Sie den direkten Hautkontakt über dem Schrittmacher auch bei diesen Gerätschaften vermeiden. Achten Sie beim Kauf neuer elektrischer Geräte auf Angaben des Herstellers zu Sicherheitsabständen bei Schrittmacherträgern. 
  • Diebstahlsicherungen an den Ausgängen von Kaufhäusern sollten Sie rasch passieren und dort nicht stehen bleiben. Das eingeschaltete Handy oder Funksprechgerät soll nicht in der Brusttasche über dem Schrittmacher getragen werden, besser sind 20 cm Abstand. Das E-Netz hat die geringste Störwirkung. 
  • Vibrationen, z. B. von Rasenmähern, Heckenscheren, Sägen, Fahren über ein Kopfsteinpflaster oder auch von großen Lautsprecheranlagen, führen mitunter bei Schrittmachern mit automatischer Frequenzanpassung zu schnellerem Herzschlag. 
  • Weisen Sie bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen auf Ihren Schrittmacher hin, da einige Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen besonders überwacht oder gemieden werden müssen. Das trifft z. B. zu auf Nierensteinzertrümmerer (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie), Kernspin, Bestrahlungen von Tumoren, Magnet- und Reizstromtherapie oder die Elektrokoagulation zur Verödung kleiner Blutgefäße. Unbedenklich sind hingegen Röntgen, CT, Szintigrafien oder auch Radaranlagen oder Gewitterblitze. 

Eine Defibrillation ist im Notfall auch bei Schrittmacherträgern möglich. 

Komplementärmedizin

Natur- und Komplementärmedizin können die verordneten Herzmedikamente nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen gehört in die Hände von Fachärzten.

Homöopathie. Homöopathische Konstitutionsmittel mit Bezug zu Herzrhythmusstörungen sind u. a. Argentum nitricum, Ferrum metallicum, Natrium muriaticum, Nux vomica und Sulfur. Zudem stehen homöopathische Komplexmittel (z. B. Spigelia N® Tropfen Synergon Nr. 161, Arrhythmie-Gastreu® N R66 Tropfen) zur Verfügung.  Entspannungsverfahren.  Enspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder Qi Gong können helfen, begleitende vegetative Beschwerden wie Nervosität oder Anspannung abzubauen bzw. auslösende Faktoren wie psychische Erregung, z. B. durch Stressbelastung, zu mildern. 

Pflanzenheilkunde. Phytopharmaka sind nur bei leichteren Herzrhythmusstörungen eine Option. Keinesfalls sind sie eine Alternative zu den verordneten chemischen Medikamenten, in manchen Fällen kann jedoch eine Kombination sinnvoll sein. Je nach Ursache und Beschwerdebild kommen verschiedene Heilpflanzen in Betracht, so z. B. Wolfstrappkraut bei Herzrhythmusstörungen als Begleiterscheinung einer Schilddrüsenüberfunktion oder Heilkräuter mit beruhigender Wirkung z. B. BaldrianwurzelHopfenzapfenMelissenblätter), wenn die Herzrhythmusstörungen mit Unruhe- und Spannungszuständen und/oder Schlaflosigkeit verbunden sind.

Dagegen zeichnet sich der Besenginster (Cytisus scoparius, z. B. Spartiol®) durch seine direkte Wirkung auf das Reizleitungssystem aus. Da es bei der Anwendung als Tee durch falsche Dosierung zu Vergiftungserscheinungen kommen kann, werden heute in der Regel Fertigpräparate eingesetzt. Weiter ist Weißdorn für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen geeignet. Die Präparate (z. B. Crataegutt Novo 450®) müssen allerdings hoch dosiert sein, um ihre Wirkung zu entfalten. 

Wegen der Gefahr einer Blutdruckkrise dürfen Besenginster und MAO-Hemmer zur Behandlung einer Depression nicht gleichzeitig eingenommen werden. Ebenso sind Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen wie ein AV- Block Kontraindikationen. 

Weiterführende Informationen

  • M. Manz: Ärztlicher Ratgeber: Herzrhythmusstörungen. Wort & Bild, 2004. Klärt über Ursachen, Untersuchungsmethoden und Behandlungsmöglichkeiten bei Herzrhythmusstörungen auf (nur über Apotheken oder den Verlag zu beziehen). 
  • V. Köllner et al.: Gut leben mit dem Herzschrittmacher. Trias, 2002. Informationen zur Operation und Funktionsweise von Schrittmachern und Defibrillatoren. Wissenswertes für den Alltag. 

Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Dieter Simon | zuletzt geändert am 30.06.2016 um 17:01


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