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Farbuntüchtigkeit



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Farbuntüchtigkeit: Störung der Farbwahrnehmung (Farbsinnstörung), entweder in Form einer Farbschwäche oder einer Farbenblindheit. Etwa 8 % aller Männer sind von einer angeborenen Farbuntüchtigkeit betroffen, hingegen nur 0,5 % der Frauen. Erworbene Formen sind selten, in diesen Fällen muss nach der zugrunde liegenden Ursache geforscht werden. Die Farbuntüchtigkeit ist keine Krankheit; sie kann aber erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben haben, z. B. bei der Berufswahl.

Leitbeschwerden

  • Bei angeborenen Störungen bemerkt der Betroffene meist nichts. Auf Nachfrage werden z. B. Rot oder Grün als Grau benannt.
  • Zu Gelb-, Blau- oder Rotsehen kommt es bei Überdosierung bestimmter Medikamente oder bei Vergiftungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie oder Ihr Kind an einer Farbschwäche leiden.

Sofort, wenn Sie eine Veränderung in Ihrem Farbempfinden bemerken.

Die Erkrankung

Der Farbtüchtige stellt aus drei Spektralfarben (Rot, Grün und Blau) alle anderen Farben durch Mischung her. Verantwortlich dafür sind drei verschiedene Netzhautzelltypen. Diese Farbsinneszellen sind in der Netzhautmitte lokalisiert und arbeiten nur bei Tageslicht. Bei Nacht sind also wirklich „alle Katzen grau".

Bei einer Farbuntüchtigkeit ist das Zusammenspiel der drei Farbsinneszelltypen gestört.

Eine erbliche Farbuntüchtigkeit äußert sich entweder in einer Farbschwäche – durch einen Mangel an Sehfarbstoff ist das Auge dann weniger empfindlich für die entsprechende Farbe oder für mehrere Farben – oder aber in einer Farbenblindheit, bei der eine oder mehrere Farben gar nicht mehr wahrgenommen werden. Völlige Farbenblindheit ist sehr selten, meistens liegt eine partielle Farbenblindheit vor, bei der ein Farbsinneszelltyp fehlt, so z. B. eine Rotblindheit (Protanopie), Grünblindheit oder eine Mischung aus beiden. Da die Betroffenen beide Farben regelmäßig verwechseln, nennt man aber alle diese Fälle Rot-Grün-Blindheit. Glücklicherweise sehr selten ist der Ausfall von zwei (Monochromasie) oder gar allen drei Farbempfindungen (vollständige Farbenblindheit).

Eine plötzlich auftretende Farbuntüchtigkeit ist immer ein ernst zu nehmendes Zeichen z. B. einer Sehnerventzündung oder einer Netzhauterkrankung. Selten, aber bedrohlich ist eine Farbuntüchtigkeit als Nebenwirkung von Medikamenten (z. B. Resochin®, Cordarex®) oder als Zeichen einer Vergiftung.

Das macht der Arzt oder Optiker

Verschiedene Farbtests können die Diagnose bestätigen:

  • Pseudoisochromatische Tafeln: Dieser Test zeigt Zahlen auf farbigem Untergrund, die nur von Farbtüchtigen richtig erkannt werden. Geprüft werden nur Rot/Grün-Störungen (siehe Abbildung).
  • Farnsworth-Farbfleckverfahren: Der Patient muss Steine mit unterschiedlicher Farbabstufung sortieren. Dieser Test ist aufwendiger, kann aber auch Blaustörungen aufspüren.
  • Anomaloskop nach Nagel: Dieses Gerät kann die Farbschwäche quantitativ erfassen. Der Patient muss mit Hilfe einer Drehschraube eine vorgegebene Farbe „mischen". Der Rotschwache wird z. B., um eine vorgegebene Mischfarbe einzustellen, mehr Rot benötigen als der Farbnormale und der am Anomaloskop abgelesene Wert (AQ-Wert, Anomalquotient) fällt dementsprechend niedriger aus. So ist eine genaue Angabe über die Art der Farbuntüchtigkeit und ihre Ausprägung möglich. Für viele Berufe ist eine Rotschwäche kein Problem, eine Rotblindheit jedoch ein Ausschlusskriterium, z. B. bei Malern, Busfahrern oder Piloten.

Auf dem Bild dargestellt ist die Farbwahrnehmung bei Farbenblindheit. Oberste Reihe: Der Farbgesunde nimmt alle Farben wahr. Zweite Reihe: Farbspektrum eines Rotblinden. Dritte Reihe: Farbspektrum eines Grünblinden. Vierte Reihe: Farbwahrnehmung bei Blauschwäche. Fünfte Reihe: Farbspektrum eines Farbenblinden (Bildquelle: Michael Amarotico, München/Familie Dres. med. Claudia und Arne Schäffler, Augsburg)

Die angeborenen Formen der Farbuntüchtigkeit können nicht behandelt werden. Eine Aufklärung, z. B. in Bezug auf die Berufswahl, sollte daher frühzeitig erfolgen.

Erworbene Arten der Farbuntüchtigkeit lassen sich mit den Farbtests nicht gut erfassen. Hier ist der Internist gefragt; bei Verdacht auf eine Medikamentenüberdosierung sollten sofort die eingenommenen Präparate überprüft werden.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. rer. nat. Katharina Munk | zuletzt geändert am 09.11.2016 um 17:15


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