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Akute Adnexitis



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Akute Adnexitis (Eileiter- und Eierstockentzündung, Salpingoophoritis, [acute] pelvic inflammatory disease, PID): Akute Entzündung von Eileiter (Salpingitis), Eierstock (Oophoritis) und der dazugehörigen Bindegewebsstrukturen (Parametritis), was meist nicht genau auseinanderzuhalten ist, deshalb hat sich der Sammelbegriff Adnexitis eingebürgert. Eine Adnexitis trifft jede 8. sexuell aktive und nicht schwangere Frau, bevorzugt in den ersten sexuell aktiven Jahren. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit der Erkrankung ab. Bei schweren Verläufen und fehlender Therapie muss mit einem Übergang zur chronischen Adnexitis, Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit und Eileiterschwangerschaften gerechnet werden.

Symptome und Leitbeschwerden

Die Beschwerden erinnern den Arzt oft an ein Akutes Abdomen (brettharter schmerzhafter Bauch), vor allem dann, wenn kein Ausfluss besteht. Fehldiagnosen sind deshalb möglich. Gab es in den Tagen oder Wochen zuvor ungeschützten Geschlechtsverkehr, sollte dies dem Arzt unaufgefordert mitgeteilt werden.

  • Stechende Unterbauchschmerzen, ein- oder beidseitig
  • Starkes Krankheitsgefühl
  • Fieber
  • Gelblich-grüner, übel riechender Ausfluss
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Blutung aus der Scheide (außerhalb der Menstruation, z. B. nach dem Geschlechtsverkehr).

Wann zum Frauenarzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • immer wiederkehrende, dumpfe Schmerzen im Unterbauch auftreten.
  • verfärbter und übel riechender Ausfluss bemerkt wird.

Heute noch, wenn

  • plötzlich stechende, starke Schmerzen im Unterbauch mit gleichzeitiger Übelkeit auftreten.
  • anhaltende, wechselnd starke Schmerzen im Unterbauch und unregelmäßige Fieberschübe auftreten.
  • Stuhlgang oder Wasserlassen stark schmerzen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

In den Genitalbereich eindringende Keime werden normalerweise durch das saure Scheidenmilieu (pH-Wert 4,5 – zum Vergleich: der pH-Wert des Blutes beträgt 7,4) an der Vermehrung gehindert. Dieses wird von den Milchsäure produzierenden Döderlein-Bakterien aufrechterhalten. Zusätzlich sorgt ein Schleimpfropf im Gebärmutterhals dafür, dass möglichst wenig Keime in die Gebärmutter eindringen. Während der Monatsblutung und in geringerem Umfang während der fruchtbaren Tage verflüssigt sich der Schleim, und der Schleimpfropf wird durchlässig, sodass dieser Schutzmechanismus außer Kraft gesetzt ist.

Krankheitserreger wie Chlamydien und Gonokokken (Gonorrhö) können dann leicht durch Sexualkontakte in die Gebärmutter eindringen und dort eine Entzündung auslösen. Von hier aus steigen die Keime weiter auf in die Eileiter, die mit einer entzündlichen Schwellung reagieren. Eitriges oder entzündliches Sekret kann die Eileiter vollständig verschließen. Häufig greift in diesem Stadium die Entzündung auch auf die Eierstöcke über, von dort aus kommt es manchmal auch zu einer Bauchfellentzündung.

Abgrenzung. Von diesem typischen Krankheitsmechanismus abzugrenzen sind seltene Fälle einer Adnexitis, die durch Keimverschleppung im Blut verursacht werden, z. B. bei einer fortgeschrittenen Tuberkulose, sowie die lebensgefährliche Adnexitis in den Tagen nach der Geburt. Hier bieten der weit geöffnete Muttermund und der klaffende Gebärmutterhals zusammen mit dem Wochenfluss einen gefährlichen Nährboden für Bakterien. Diese Art der Adnexitis heißt Kindbettfieber. Kommt es zur lebensbedrohlichen Blutvergiftung, spricht man von Puerperalsepsis, früher die Hauptursache für die hohe Müttersterblichkeit.

Ursachen

Die Entzündung wird in aller Regel durch aufsteigende Keime aus dem unteren Genitalbereich verursacht.

Risikofaktoren

  • Früh begonnener und ungeschützt praktizierter Geschlechtsverkehr
  • Häufig wechselnde Geschlechtspartner
  • Sexuell übertragbare Erkrankungen in der Anamnese (auch des Partners)
  • Operative Eingriffe wie Ausschabung, Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) oder Einsetzen einer Spirale.

Komplikationen

Eileiterschwangerschaft. Wenn bei einer Adnexitis sehr viel entzündliches Sekret produziert wird, können die Eileiter so stark verkleben, dass kein Eitransport mehr möglich ist. Oft nistet sich das befruchtete Ei dann im Eileiter ein (Eileiterschwangerschaft). Hat eine Patientin einmal eine Adnexitis durchgemacht, steigt das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft, da die Beweglichkeit der Flimmerhärchen in den Eileitern vermindert ist. Der Übergang in eine chronische Adnexitis führt durch Verwachsungen oft zum Eileiterverschluss und damit meist zur Unfruchtbarkeit.

Tuboovarialabszess. Breitet sich die Entzündung weiter aus, kommt es zwischen Eileiter und Eierstock häufig zu Verschmelzungen von Gewebe und zur Bildung eines Abszesses (Tuboovarialabszess). Dabei entstehen ausgedehnte Verwachsungen zwischen Gebärmutter, Darm, Bändern und Beckenwand, die die Eileiterfunktionen (Eiaufnahme und -weiterleitung) dauerhaft beeinträchtigen und Ursache einer späteren Unfruchtbarkeit sein können. Ein Abszess kann sich auch im Douglas-Raum, dem tiefsten Punkt des kleinen Beckens zwischen Gebärmutterrückseite und Mastdarm, bilden (Douglas-Abszess) und Auslöser starker Schmerzen beim Stuhlgang sein.

Diagnosesicherung

Vermutet der Arzt eine Adnexitis, macht er einen Scheidenabstrich, mit dem er die Erreger identifiziert. Mit einem Vaginalultraschall sieht er die verdickten Eileiter und entzündlich vergrößerten Eierstöcke und im fortgeschrittenen Stadium die Ansammlung von Flüssigkeit in den Eileitern oder die Entwicklung eines Abszesses. Zudem schließt er so andere Ursachen der Unterbauchschmerzen wie z. B. eine geplatzte Eierstockzyste aus.

Eine Blutuntersuchung dient zur Feststellung der Entzündungszeichen sowie zum Ausschluss einer Schwangerschaft. Letzteres ist wichtig, da die Beschwerden bei einer Adnexitis denen einer Eileiterschwangerschaft ähneln. Die Symptomatik kann auch durch eine Entzündung der Harnwege, Harnblase oder Nieren verursacht sein, weswegen der Arzt den Urin und die Nieren per Ultraschall untersucht.

In schwierigen Fällen ist eine Bauch- oder Beckenspiegelung (Laparoskopie) erforderlich, mit der eine Blinddarmentzündung ausgeschlossen wird und zugleich eine Abstrichentnahme von den Eileitern möglich ist.

Behandlung

Pharmakotherapie

Antibiotika. Eine Adnexitis wird mit Antibiotika in Form einer Antibiotikakombination behandelt. Sie ist gegen die häufigsten Erreger der Erkrankung, Chlamydien und Gonokokken, wirksam, z. B. ein Cefalosporin wie Cefadroxil und ein Tetrazyklin wie Doxycyclin, als Tablette oder bei schlechtem Allgemeinzustand auch als Infusion. Bei Erfolglosigkeit wird auf andere Substanzgruppen wie Gyrasehemmer (z. B. Ofloxazin, Tarivid®) und Metronidazol (z. B. Clont®) gewechselt. Die Behandlung dauert mindestens 10 Tage.

Analgetika. Gegen die starken Schmerzen helfen Schmerzmittel mit antientzündlicher Wirkung (NSAR) wie Diclofenac (Voltaren® 3 x täglich 50 mg als Tablette oder Zäpfchen). In der akuten Krankheitsphase helfen zusätzlich stündliche Kältepackungen oder kühlende Umschläge.

Operative Behandlung

Hat sich ein Douglas-Abszess gebildet, wird er während der Bauchspiegelung punktiert und entleert. Während dieser Operation versucht der Arzt auch, Verklebungen zu lösen, um die Durchgängigkeit der Eileiter wiederherzustellen.

Prognose

Wird mit der Therapie rechtzeitig begonnen und wird sie nicht vorzeitig abgesetzt, heilt die Erkrankung zumeist aus. Bei nicht rechtzeitiger oder nicht adäquater Therapie droht die akute Entzündung der Eileiter in eine chronische Adnexitis überzugehen.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Selbsthilfemaßnahmen sollten nicht statt der Behandlung mit Antibiotika eingesetzt werden, sondern ergänzend.

  • Ruhe hilft bei akuten Beschwerden und bei Bedarf.
  • Kälteanwendungen im akuten Stadium: Kalte Umschläge auf dem Unterbauch lindern den Schmerz und sollen verhindern, dass sich die Entzündung weiter ausbreitet.
  • Wärmeanwendungen nach Abklingen der akuten Symptome: Greift die Antibiotikabehandlung und sind die Schmerzen weitgehend abgeklungen, unterstützen feuchtwarme Umschläge die Regeneration des entzündlich veränderten Gewebes.
  • Aufbau der Darmflora: Ist die Antibiotikatherapie beendet, kann die Darmflora durch probiotische Joghurts oder probiotische Fertigarzneien (z. B. Mutaflor® Darmtherapeutikum) wieder aufgebaut werden.

Geeignete Medikamente

Eine begleitende Enzymtherapie mit dem Ananasenzym Bromelain in hoher Dosierung (z. B. Bromelain-Pos®) wirkt schmerzlindernd und vor allem entzündungshemmend.

Komplementärmedizin

Komplementärmedizinische Maßnahmen sollten nicht statt der Behandlung mit Antibiotika eingesetzt werden, sondern ergänzend.

Warme Sitzbäder mit Kamille oder jeweils gleichen Anteilen an Frauenmantelkraut, weißen Taubnesselblüten und Schafgarbenkraut, aber auch Bäder mit Moor-Schwefel-Pulver (z. B. Leucona Moor®) lindern Schmerzen und wirken entspannend.

Prävention

Die Übertragung durch Keime kann durch Kondome verhindert werden.

Um eine gegenseitige Ansteckung zu vermeiden, ist der Sexualpartner zu informieren und angehalten, sich ebenfalls behandeln zu lassen.

Bei Frauen unter 25 Jahren zahlt die Krankenkasse seit 2008 einen Abstrich aus dem Muttermund. Seit 2009 wird der Urin kostenfrei auf Chlamydien untersucht.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Astrid Waskowiak, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 19.06.2018 um 10:55


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